Freitag, 28. Juni 2013

PRISM-Abwehr: Anonyme Suche mit Startpage

Durch die von Edward Snowden vergangene Woche aufgedeckten Schnüffel-Skandale PRISM und Tempora gab es für viele ein ungläubiges Erwachen. Hätte man doch allzu gerne Orwell`sche All-Überwachungsphantasien weiterhin paranoiden Verschwörungstheoretikern überlassen, doch nun ist die Katze aus dem Sack: wer einen Suchbegriff bei Google eingibt, vervollständigt freiwillig sein Interessens- und Persönlichkeitsprofil, das diverse Geheimdienste über jeden von uns führen.

In einer Bundestagssondersitzung zu diesem Themenkomplex am vergangenen Donnerstag wurde die Ansicht geäußert, dass diese Problematik nur politisch, nicht technisch lösbar sei. Ich bin da genau gegenteiliger Ansicht. Für viele Entscheidungsträger ist die Thematik nach eigenem Bekunden ja immer noch #Neuland. Bevor die Politik es schafft, bilateral verbindliche und überprüfbare Datenschutzbestimmungen auszuhandeln, haben die Bürger ihre digitale Kommunikation längst abhörsicher konfiguriert.

Einen ersten unkomplizierten Schritt, den jeder nachvollziehen kann, ist es, wieder anonyme und für Außenstehende nicht nachvollziehbare Online-Recherchen durchzuführen, ohne auf die Ergebnisse des Marktführers Google (Marktanteil 2012: 96%) zu verzichten. Dazu muss man lediglich ein paar Einstellungen am Browser vornehmen. Der Reihe nach:

Ixquick ist eine niederländische Softwareschmiede, die das erste und bisher einzige Suchprogramm entwickelt haben, das mit dem Europäischen Datenschutz-Gütesiegel zertifiziert wurde. Jetzt bietet Ixquick einen kostenlosen und anonymen Zugang zu ihrer Suchmaschine Startpage (https://www.startpage.com). Das Versprechen: Wenn man mit Startpage sucht, werden weder die Suche selbst, noch die eigene Identität in Form der IP-Adresse protokolliert. Es werden auch keinerlei Tracking-Cookies übertragen. Und doch erhält man genau die Suchergebnisse von Google, da Startpage quasi als anonymer Übermittlungsbote fungiert. Auf Wunsch läuft die gesamte Kommunikation auch noch verschlüsselt über SSL.

Besonders bequem wird es, wenn man Startpage im Browser in die Liste der Suchmaschinen aufnimmt, damit man nicht jedesmal die Seite mit der Suchmaske aufrufen muss. Dafür wird ein Add-On installieren, das man auf der Startpage-Seite findet und das für alle gängigen Browser verfügbar ist. Es gibt zwei Varianten, eine mit verschlüsselter Datenübertragung und eine ohne. Grundsätzlich empfehle ich aus Datenschutzgründen immer die verschlüsselnde HTTPS-Variante. Damit ist gewährleistet, dass der Internet-Provider keine Chance hat, zu erkennen und zu speichern, wonach wir suchen (Stichwort: Vorratsdatenspeicherung).

Alle Browser erlauben es auch, Suchbegriffe direkt in die Adresszeile einzugeben. Sofern es sich dabei nicht um eine korrekt formatierte Internet-Adresse handelt, wird die Eingabe als Suchanfrage an die jeweilige Standard-Suchmaschine übergeben. Bei Firefox, Chrome, Safari und Opera ist das Google, und beim Internet-Explorer die Microsoft-Variante Bing. Diese Standard-Einstellungen auf Startpage zu ändern, gestaltet sich unterschiedlich kompliziert. Beim IE und bei Chrome kann das recht einfach über das Einstellungsmenü selektiert werden, und bei Opera kann man sogar schon bei der Installation des Add-Ons festlegen, ob Startpage als Standard verwendet werden soll. Doch beim beliebten Firefox-Browser ist es einen Tick komplizierter. Dort muss die interne Konfigurationsvariable Keyword.URL auf die Startpage-Adresse gesetzt werden. Lediglich Apples Safari-Browser ermöglicht keine Integration von Startpage als Standard-Suchanbieter.

Eine weitere Vorsichtsmaßnahme sollte in diesem Zusammenhang erwähnt werden: Incognito alias InPrivate alias „Private Browsing“ - auch als „Porno-Modus“ bekannt - ist ein Datenschutzmodus, den ebenfalls sämtliche Browser bieten. Damit werden keinerlei Datenspuren auf dem eigenen Computer hinterlassen. History, Cookies, Formulareingaben, Cache und natürlich die Suchergebnisse und die angesteuerten Seiten - werden samt und sonders sauber gelöscht, wenn der Modus wieder beendet wird. Bei erhöhter Sensibilität für Datenschutz sollte man diesen Modus nutzen, um die Suchergebnisse aufzurufen. Damit wird gewährleistet, das Spionageprogramme und Viren, die sich auf dem eigenen Computer befinden könnten, es schwieriger haben, die Vorgänge auszuwerten.

Doch damit nicht genug: auch ein Anonymisierungs-Proxy sowie die grundsätzliche Verwendung von SSL muss für Datenschutz-Interessierte zum Standard gehören, um sich einigenmaßen sicher zu fühlen. Doch das würde hier den Rahmen - zumindest für heute - sprengen. Wer möchte, kann mich für weitere Informationen und Hilfestellungen gerne kontaktieren.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen